Zwischen Herkunft, Mut und Musik.
Sie kommt aus dem Mürztal, singt im Dialekt und gehört mittlerweile zu den spannendsten Stimmen im österreichischen Austropop. Mit ehrlichen Texten, viel Gefühl und einer Geschichte, die berührt, hat sich Caro Fux in den letzten Jahren einen Namen gemacht. Für unser Magazin haben wir uns mit ihr über Musik, Herkunft, Kreativität, Leistungsdruck und darüber unterhalten, warum man manchmal einfach mutig sein muss.

Dominik: Bevor wir anfangen … Wie kündigt man dich eigentlich an? Singer-Songwriterin? Austropop-Künstlerin? Musikerin?
Caro: Singer-Songwriterin passt eigentlich ganz gut. Musikerin auch. Irgendwie von allem ein bisschen.
Dominik: Musik war ursprünglich nicht dein Berufswunsch Nummer eins. Du bist über einen Tiefpunkt dazu gekommen. Erzähl uns kurz deine Geschichte.
Caro: Ich bin eigentlich ausgebildete Volksschullehrerin und habe mehrere Jahre gearbeitet. Mit 27 bin ich dann ziemlich plötzlich im Burnout gelandet. Das war für mich ein totaler Einbruch, weil ich das überhaupt nicht kommen gesehen habe. Ich habe davor schon gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Schlafprobleme zum Beispiel. Aber man denkt sich in dem Alter noch nicht viel dabei. Und irgendwann war einfach alles zu viel. Nach und nach habe ich begonnen, meine Gedanken aufzuschreiben. Nicht mit dem Ziel, Songs zu schreiben, sondern einfach, um Dinge zu verarbeiten. Dabei bin ich draufgekommen, wie stark ich mich über Leistung definiert habe. Und genau daraus ist irgendwann „Wunderschei“ entstanden. Erst nur als Satz. Dann plötzlich mit einer Melodie. Ich habe davor noch nie bewusst einen Song geschrieben. Das ist einfach passiert.
Dominik: Im Burnout stand deine Welt still. Heute ist dein Leben ziemlich rasant. Wie schaffst du es, für dich zu sorgen und nicht wieder auszubrennen?
Caro: Der große Unterschied ist heute: Ich mache etwas, das mir extrem viel Kraft gibt. Natürlich kostet auch Musik Energie, vor allem Live-Auftritte. Aber gleichzeitig bekomme ich unglaublich viel zurück. Ich glaube, wenn man etwas gefunden hat, das sich richtig anfühlt, dann fühlt es sich weniger wie Arbeit an. Trotzdem muss ich auf mich schauen. Ich plane bewusst freie Tage ein. Wenn ich weiß, dass mehrere Auftritte anstehen, dann brauche ich danach auch wieder Ruhe. Das klingt vielleicht lustig, aber manchmal schreibe ich mir tatsächlich in den Kalender: „Heute nichts tun.“ Sonst vergisst man das.
Manchmal schreibe ich mir tatsächlich in den Kalender: Heute nichts tun. Sonst vergisst man das.
Caro Fux
Dominik: Wir lassen unsere Teige mindestens 24 Stunden ruhen. Wie lange brauchen deine Songs zum Reifen?
Caro: Ganz unterschiedlich. Manche Ideen sind sofort da, andere brauchen Monate. „Aff im Kopf“ zum Beispiel hatte ich ungefähr ein halbes Jahr im Kopf, bevor daraus wirklich ein Song geworden ist. Die eigentliche Songwriting-Session hat dann nur ein paar Stunden gedauert. Ideen schreibe ich meistens sofort ins Handy. Oft sind es nur einzelne Wörter oder Gedankenfetzen. Und irgendwann ergibt sich daraus ein Song.
Dominik: Wann entstehen deine besten Ideen? Gibt es Rituale?
Caro: Eigentlich gar nicht. Ich bin eher chaotisch. Viele Ideen kommen beim Spazierengehen mit meinem Hund oder einfach beim Beobachten von Menschen. Gespräche inspirieren mich extrem. Oder Situationen, die man erlebt. Manchmal reicht ein Satz oder eine Begegnung und plötzlich ist da ein Songthema.
Dominik: Du sagst selbst, das Songschreiben ist für dich wie Therapie. Wie findest du Themen, die so viele Menschen berühren?
Caro: Indem ich einfach ehrlich über Dinge schreibe, die ich fühle oder erlebt habe. Ich glaube, Menschen spüren sofort, ob etwas echt ist oder nicht. Und genau deshalb funktionieren manche Songs wahrscheinlich so gut, weil sich viele darin wiederfinden.
Dominik: Du singst im Dialekt. Warum war dir das wichtig?
Caro: Weil es sich am ehrlichsten anfühlt. Ich bin am Land aufgewachsen, wir haben immer Dialekt gesprochen. Im Dialekt kann ich Gefühle einfach am besten transportieren. Hochdeutsch wäre für mich viel weiter weg.

Dominik: Was kann Dialekt ausdrücken, was Hochdeutsch nicht kann?
Caro: Ich glaube, Dialekt wirkt einfach echter. Authentischer. Wenn jemand wirklich Dialekt spricht und dann auch darin singt, spürt man sofort, dass das ehrlich ist.
Dominik: Wie viel Mürzzuschlag steckt in deiner Musik?
Caro: Mehr, als man vielleicht denkt. Nicht direkt offensichtlich, aber unterbewusst sicher sehr viel. Wo man herkommt, schwingt immer mit. Die Menschen, die Geschichten, die Umgebung – das prägt einen einfach.
Dominik: Der Amadeus Austrian Music Award war ein konkretes Ziel von dir. Vier Jahre später wurdest du ausgezeichnet. Wie lautet dein Erfolgsrezept?
Caro: Ich glaube, man muss zuerst selbst daran glauben. Ich hatte den Amadeus tatsächlich schon als Handy-Hintergrundbild, bevor ich überhaupt meinen ersten richtigen Song veröffentlicht habe. Ein Freund hat damals gesagt: „Du hast ja noch nicht einmal Musik gemacht.“ Aber ich brauche Ziele. Wenn man etwas wirklich will, muss man konsequent darauf hinarbeiten. Wie ein Sportler.
Dominik: Und was ist dein nächstes Ziel?
Caro: Im Herbst spiele ich meine erste eigene Tour. Natürlich wäre es wunderschön, wenn sie ausverkauft ist. Und 2027 möchte ich mein erstes Album veröffentlichen.
Dominik: Ein Tag in der Backstube ist echte Teamarbeit. Wie ist das bei dir – arbeitest du lieber alleine oder im Team?
Caro: Eigentlich war ich immer eher jemand, der alles alleine machen wollte. Aber mittlerweile habe ich ein richtig gutes Team um mich. Management, Booking, Leute, die mich unterstützen. Und das ist wichtig geworden. Am Ende muss ich trotzdem die Richtung vorgeben. Aber es ist schön, Menschen um sich zu haben, die an dieselbe Vision glauben.
Dominik: Was hat dir die Musik über dich selbst beigebracht, das in keinem Lehrplan steht?
Caro: Dass man Dinge einfach tun muss, auch wenn man glaubt, man kann sie noch nicht. Ich habe mir am Anfang immer gedacht: Ich kann ja keine Musikerin sein, ich habe das nicht gelernt. Aber irgendwann habe ich verstanden, dass man vieles einfach durchs Tun lernt. Und ich habe gemerkt: In den Momenten, wo ich mich wirklich getraut habe, sind die besten Dinge passiert.
Ich glaube, wenn man etwas gefunden hat, das sich richtig anfühlt, dann fühlt es sich weniger wie Arbeit an.
Caro Fux
Dominik: Morgenmensch oder Langschläferin?
Caro: Definitiv Langschläferin.
Dominik: Kaffee, Tee oder Kakao?
Caro: Kaffee.
Dominik: Süß oder herzhaft?
Caro: Herzhaft.